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Der Jahrgang 2017

Der Unverwechselbare

 

Die Fahrt nach Bordeaux zur alljährlichen Primeurverkostung Anfang April ist schon ein liebgewordenes Ritual geworden, ebenso die Neugier auf den aktuellen Jahrgang. Es war schon im Vorfeld klar, dass 2017 nicht ganz an die Komplexität und Tiefe des 2016er und Fülle des 2015er Jahrgangs heranreicht. Wer aber jedes Jahr mit den Erwartungen eines neuen „Jahrhundert Jahrgangs“ nach Bordeaux reist, wird meistens enttäuscht.
Bordeaux bleibt trotz Klimawandel ein ozeanisch geprägtes Weinanbaugebiet, das naturgemäß größere Unterschiede zwischen den einzelnen Jahrgängen aufweist als z.B. mediterran geprägte Weingegenden. Diese Nuancen machen den Reiz und die Einzigartigkeit des Bordelais aus.

Um 2017 richtig einordnen zu können, ist ein Blick auf den Wetterverlauf bzw. die Wetterkapriolen unverzichtbar. Das Wetter in Bordeaux ist immer für Überraschungen gut, diesmal von der bösen Art. Aber der Reihe nach:

-  Das Jahr 2017 fing mit moderaten Niederschlägen relativ unspektakulär an,

-  Das änderte sich schlagartig mit der schon als historisch zu bezeichnenden Kälteperiode, die am 22. April begann und am 27. April in ein Frostdesaster mündete.

Manche Winzer, vor allem in Saint Emilion und Pomerol, hatten bis zu 100% Ernteausfälle zu beklagen. Großes Glück dagegen hatten die am Fluss gelegenen Weingüter des nördlichen Medoc, die überhaupt keine Ausfälle zu beklagen hatten.

Weiter südlich in St. Julien und vor allem in Margaux und Moulis Listrac gab es Frostprobleme für diejenigen Weingüter, die mehr im Landesinneren lagen. Chateau d'Angludet aus Margaux zum Beispiel konnte keinen 2017er Jahrgang produzieren. Chantegrive aus Graves musste ebenfalls 100% Verlust beim Rotwein beklagen.

-  Es ging weiter mit einem ungewöhnlich heißen und trockenen Mai und Juni. Die sintflutartigen Regenfälle Ende Juni waren daher ein Segen für die Winzer.

-  Im Hochsommer wechselten sich kalte und warme Tage ab. Die kühlen Tage sorgten für eine Verlangsamung der Reife und damit der Zuckerkonzentration in der Traube. Ein Umstand, der sich positiv auf die Frische und Eleganz in den Weinen auswirkte.

-  Eine 10 tägige Regenperiode vom 8. bis 18.September sorgte nochmal für einige Sorgenfalten. Im Vorteil waren die Winzer, die keine Frostschäden zu verzeichnen hatten und deren Traubenmaterial aufgrund der frühen Knospung und Blüte schon optimal reif waren. Gut durchlässiges Terroir, möglichst mit etwas Gefälle ist ebenfalls von unschätzbarem Wert während solcher Regenperioden.

Dann gab es die Winzer, die noch Geduld hatten und eine weitere Schönwetterperiode mit kühlen Nachtwinden ab dem 19. September abwarteten. Schon Ende September waren sowohl Merlot als auch Cabernet vollständig geerntet.    

Ausgehend von diesen vielversprechenden Wetterdaten und der Tatsache, daß es Mutter Natur wieder außerordentlich gut mit Bordeaux meinte, konnten wir es nicht mehr erwarten, uns wie immer persönlich ein (Geschmacks-) bild vor Ort zu machen. Die Vorfreude war ähnlich groß wie 2015.

1. Tag: Anreise

Im Gegensatz zum vorigen Jahr fuhren wir dieses Mal leider dem Frühling davon. Die Landschaft auf dem Weg nach Bordeaux ist trotzdem immer wieder beeindruckend.
Der Startschuß zum diesjährigen Verkostungsmarathon fiel wieder am Sonntagabend bei einem Negociant in Bordeaux. Dies ist immer eine erste wichtige Standortbestimmung. Es ließ sich schon erahnen, wohin die Reise beim 2017er geht.
Der erste Eindruck der Weine war geprägt von frischer rotbeeriger Frucht, etwas Menthol und dezentem Toast. Auf jeden Fall ein vielversprechender Beginn. 

 

2. Tag: Das nördliche linke Ufer

Am Montag stand das nördliche Medoc mit vielen Chateauxbesuchen an. Der erste Termin auf Chateau Pichon Comtesse war gleich eines der Glanzlichter des Tages.
Weiter ging es auf hohem Niveau in St. Julien, weiteren Chateaux aus Pauillac und zum Schluß dann Saint Estephe.
Der erste Eindruck vom Vortag bestätigte sich voll und ganz. Wir durften frische, klassische, nicht zu süße Weine verkosten, die durch einen mittleren Körper charakterisiert sind. Beeindruckt haben uns neben der schon erwähnten Pichon Comtesse auch wieder die üblichen Verdächtigen aus Saint Estephe wie Cos d`Estournel, Montrose und Calon Segur, sowie Leoville Las Cases und Mouton Rothschild. Ganz oben angeklopft haben dieses Jahr auch wieder Grand Puy Lacoste und Leoville Barton. Die Konstanz dieser beiden Chateaux ist immer wieder beeindruckend. Sehr schön auch hinsichtlich des zu erwartenden Preisniveaus waren für uns Gruaud Larose, Batailley, Haut Marbuzet, Phelan Segur und Lagrange.

 

3. Tag: Südliches Medoc und Pessac

In der Primeurwoche starten immer dienstags die Unionsverkostungen. Das bedeutet, daß sich die Cru Classé einer Appellation auf einem Chateau versammeln und somit gleich ein Dutzend oder mehr Chateaux degustiert werden können.
Wir verkosteten uns von Norden nach Süden, von Saint Estephe bis nach Pessac Leognan.
Den krönenden Abschluss bildete die Verkostung auf La Mission zusammen mit Haut Brion. Aber auch dazwischen durften wir tolle Weine probieren, allen voran Chateau Margaux. Auch in diesem Jahr wieder eine herausragende Leistung. Präzise, tiefgründig und unglaublich fein. Nicht weit dahinter und ebenfalls beeindruckt haben uns Chateau Rauzan Segla, d'Issan und Haut Bailly.
Manche Enttäuschung blieb aber nicht aus. Ein Indiz dafür, daß es sich um einen heterogenen Jahrgang handelt.

Die Weißweine sind dieses Jahr besonders gut gelungen und homogener in der Qualität als die Roten. Sie wurden zwar noch heftiger von der Frostperiode getroffen, auf die Qualität hatte dies jedoch keinen nennenswerten Einfluß. Die besten Weißweine sind elegant, frisch, intensiv und herrlich ausbalanciert.

 

4. Tag: Saint Emilion und Pomerol

Der Mittwoch steht immer ganz im Zeichen des rechten Ufers.
Der Kontrast zwischen großartigen Weinmonumenten und einigen Enttäuschungen war dort noch deutlicher spürbar. Komplexe und elegante Zeugnisse der Weinkunst wechselten sich ab mit manch dicklicher Wuchtbrumme. Ganz weit vorne ist wieder Ausone, aber auch Cheval Blanc hat trotz der herben Ernteausfälle aufgrund von Frost etwas ganz Großes auf die Flasche gebracht. Beide Weine haben ihren eigenen Charakter, aber an Vielschichtigkeit und Tiefe sind sie am rechten Ufer kaum zu überbieten. In Pomerol wurden unsere Geschmacksnerven besonders von Chateau Trotanoy, la Conseillante und Clinet verwöhnt. 
Aber auch Weine wie Petit Village und Hosanna in Pomerol, sowie Canon La Gaffeliere und Trottevieille in Saint Emillion sind uns nachhaltig im Gedächtnis geblieben. Nichts wirkt bei diesen Weinen dick oder aufgesetzt, die Balance ist toll.

 

Fazit: Der Jahrgang 2017 besitzt einen ganz eigenen Charakter, der nur schwer in eine vorgegebene Schablone passt. Die Frostschäden waren im nördlichen Medoc kein Thema, vor allem, wenn sich das Weingut in Flußnähe befand. Manche Weingüter aus dem südlichen Medoc, Graves und vor allem dem rechten Ufer mußten teils drastische Ernteausfälle verdauen.

Die Qualität ist heterogener als die beiden Jahre zuvor, aber in der Spitze gelangen wieder großartige Weine, die sich durch eine belebende Frische, durch Eleganz, durch feine rotbeerige Frucht und einen mittleren Körper auszeichnen.

Die Alkoholgrade liegen sehr oft bei erfreulichen 13°Vol.

Auf meiner Website, die laufend aktualisiert wird, werde ich Ihnen im Verlauf der nächsten Wochen mein Angebot vorstellen. Sollten Sie mal Ihren persönlichen Favoriten vermissen, zögern Sie nicht mich zu kontaktieren. Ich werde alles daransetzen Ihnen Ihr Lieblingschateau zu einem sehr fairen Preis anzubieten. Nun wünsche ich Ihnen viel Spaß beim Stöbern!!

Ihr
Axel Buess