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Bordeaux Reisebericht 2014

 

Der Jahrgang 2014 – klassisch und das Beste seit 2010!

 

Nach schwierigen Kampagnen in 2011 und 2012 war mit dem Jahrgang 2013 ein absolutes Stimmungstief erreicht. Nicht, dass die Qualität missraten war, die Preise passten oft einfach nicht und animierten nicht unbedingt zum Kauf en primeur.

Mit dem Jahrgang 2014 – der erste in der Ära nach Parker - sollte die Trendwende her. Nicht nur in Sachen Qualität, auch in der richtigen Preisfindung seitens der Chateaux.

Schauen wir uns aber zuerst den Wetterverlauf in 2014 an:

Einem milden und feuchten Winter folgte ein im Durchschnitt ebenfalls milder Frühling, der zwar durch einige Wetterextreme gekennzeichnet war, - teils heftige Regenfälle wechselten sich mit sehr heißen Tagen ab – die jedoch keinen Einfluß auf den bis dahin optimalen Reifeprozess hatten. Eine verhältnismäßig kühle, trockene und lichtarme Periode von Ende Juli bis Ende August trieb den Winzern jedoch die ersten Sorgenfalten auf die Stirn. 
Ein plötzlicher Schwenk in den letzten Augusttagen vertrieb diese jedoch schlagartig. Der Sommer kehrte zum richtigen Zeitpunkt zurück. Den ganzen September und Oktober über gab es sonniges, warmes und trockenes Wetter, was zu einer gleichmäßigen und optimalen Reife des Traubenmaterials führte. Der kühle Sommer sorgte für eine gewisse Säure in den Trauben, der sogenannte „Indian Summer“ verlieh den Trauben ihren großzügigen Zuckergehalt. Der Wetterverlauf in 2014 spielte speziell den beiden Cabernets in die Karten. Weingüter in St. Emilion oder Pomerol mit höheren Cabernet Franc Anteilen im Besatz waren sicherlich im Vorteil.

Aufgrund dieses meterologischen Glücksfalls waren die Stimmung und Stimmen im Vorfeld natürlich schon deutlich positiver und verheißungsvoller als die Jahre zuvor. Man sprach von sehr gutem Traubenmaterial aufgrund eines tollen Endspurts, von feinen Cabernets, von einem insgesamt sehr guten, klassischen Jahrgang. Andererseits kamen vielerorts die Bedenken auf, dass eine allzu große Euphorie die Chateauxbesitzer wieder dazu verleiten könnte, die Preise in allzu schmerzhafte Regionen zu heben.
Die Ungeduld war trotzdem groß, sich selbst wieder ein Bild des Jahrgangs zu machen, selbst zu überprüfen welche Rebsorte oder welche Chateaux dieses Jahr die Nase vorn haben.


Es ging wie immer im nördlichen Medoc los, in der Region, die aufgrund ihrer Cabernetdominanz schon im Vorfeld am meisten hochgejubelt wurde. Einen besseren Start konnte man sich in der Tat nicht vorstellen. Fast durch die Bank gab es homogene Qualitäten, richtige Enttäuschungen blieben Mangelware. Im Duft zeigen sich würzig, pfeffrige Aromen gepaart mit einer kühlen Mineralik und dezenter Cassis und Kirscharomatik. Die Tannine sind feinkörnig und in einer guten Balance. Alles wirkt stimmig und elegant. Weine mit solchen Eigenschaften werden oft auch mit dem Attribut klassisch beschrieben.

Unter vielen sehr guten Weinen stachen für mich im nördlichen Medoc Calon SegurMontrose, Pichon Baron, Lynch Bages und Leoville Las Cases heraus. Bei den 1er Crus hatte für mich Mouton Rothschild ganz leicht die Nase vorn. Latour hatte ich nicht verkostet, da dieser Wein nicht en Primeur angeboten wird. Aus Preis-Genuss-Sicht gehören natürlich wieder Batailley und Branaire Ducru zu meinen Favoriten.
 
Weiter südlich in Margaux haben mich neben einem grandiosen Chateau Margaux wie schon so häufig die vergangen Jahre Rauzan Segla und d`Issan restlos überzeugt.

In Pessac war es für mich ein Kopf an Kopf Rennen zwischen Haut Brion, Haut Bailly, Domaine de Chevalier und Pape Clement, wobei mir letzten Endes Haut Bailly am besten gefallen hat. 
Pessac brachte in 2014 auch wieder wunderschöne Weißweine hervor, die bei der Verkostung sowohl durch eine satte Frucht, aber auch durch feine Mineralik bestachen.

Am letzen Tag unserer Reise ging es wie immer ans rechte Ufer nach Saint Emilion und Pomerol. Die Weine fielen dort eindeutig heterogener aus, es gab aber durchaus großartige Weine, die mühelos mit den besten Weinen vom linken Ufer mithalten konnten. Dort wurde natürlich die Karte Cabernet Franc rigoros ausgespielt. Bei Ausone sind es z.B. 60% Cabernet Franc, bei Canon la Gaffeliere insgesamt 45% Cabernet Anteile im Cuvée, beides Weine, die wunderbar gelungen sind und zum besten gehören was Bordeaux in 2014 zu bieten hat. 
In Pomerol haben uns vor allem Gazin, Certan de May und La Fleur Petrus vollauf überzeugt. Diese Weine bestachen durch eine angenehme Frische und Leichtigkeit.
In Pomerol und St. Emilion gab es aber auch solche Chateaux, die mit allzu viel Holz rumhantierten und mehr aus Ihrem Wein machen wollten.

 

Als Fazit kommt heraus, dass es sich auf jeden Fall wieder gelohnt hat, selbst vor Ort zu sein und für Sie meine persönlichen Favoriten zu selektieren. In der Summe sind dies sicherlich mehr als in den Jahren zuvor und auch das Degustieren hat, ehrlich gesagt, mehr Spaß gemacht. Favorit ist für mich das nördliche Medoc, aber auch in den anderen Appellationen gibt es großartige Weine. 
Die Stilistik deutet auf einen klassischen Jahrgang hin. Er zeichnet sich nicht durch eine fleischige, üppige Frucht wie 2009 aus und besitzt auch nicht den massiven Körperbau wie 2005 und 2010, er erinnert eher an 2004 und 2006. Beides Jahrgänge, die jetzt tollen Trinkgenuss bieten.


Ihr

Axel Buess