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Bordeaux Reisebericht 2013

 

Der Jahrgang 2013 – mehr Licht als Schatten?

 

Genau dies für Sie herauszufinden, ist meine Aufgabe, und für den Jahrgang 2013 war diese so wichtig wie schon lange nicht mehr. Waren die Primeurverkostungen der Jahrgänge 2009 und 2010 noch reine Spaßveranstaltungen, war bei der Verkostung des 2013er allerhöchste Konzentration gefordert. Aber der Reihe nach. Schauen wir uns erstmal den Wetterverlauf in 2013 an:

Wie bei uns in Deutschland war auch in Bordeaux der Winter lang und kalt, und mit 230 Regentagen war es 2013 auch noch überdurchschnittlich feucht. Der Durchschnitt liegt bei 124 Tagen. Die logische Konsequenz war eine späte Blüte, während der es dann auch wieder regnete und viele Winzer mit der Verrieslung Ihrer Traubenblüten zu kämpfen hatten. Der Cabernet zeigte sich gegenüber dem Merlot als widerstandsfähiger. Zudem erfolgte die Blüte des Cabernet zu einem wettertechnisch günstigeren Zeitpunkt. Die Zeichen standen schon zu diesem Zeitpunkt auf erheblich reduzierter Ernte.

Die Monate Juli und August brachten zwar heißes und trockenes Sommerwetter, jedoch auch teilweise unwetterartige Hagelstürme, die vor allem an der südlichen Gironde großen Schaden anrichteten.

Leider schlug das Wetter zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt wieder um. Mitte September gab es statt schönem Spätsommerwetter plötzlich wieder viel Feuchtigkeit und starke Temperaturschwankungen. Dies führte verstärkt zur Fäulnisbildung und damit zu verstärktem Ausschneiden von Traubenmaterial, um den verbliebenen Trauben eine bessere Durchlüftung zu gewähren. Als Folge reduzierten sich die Ernteerträge noch weiter. Das Schlüsselwort für eine trotzdem gute Qualität war Reaktionsschnelligkeit. Das andere wichtige Plus war ein hoher Anteil an Cabernet im Besatz. Die Cabernets, aber auch Petit Verdot kamen mit den widrigen Wetterbedingungen einfach besser zurecht.

Ganz anders sah es für die Sauternes aus, die mit den feuchten Wetterbedingungen bestens zurechtkamen und von der Fäulnisbildung profitierten. Mann kann 2013 als sehr gutes Sauternes-Jahr bezeichnen.

Das waren natürlich nicht die besten Voraussetzungen, um im Vorfeld schon große Euphorie aufkommen zu lassen.

Vor dem alljährlichen Primeurmarathon im Frühjahr gab es wie immer das übliche Gemunkel und Getuschel. Man hörte dies, vermutete das...Die Tendenz war zu spüren, dass die Presse und verschiedene Experten schon im Vorfeld den Jahrgang verreißen wollten.

Verbunden war damit wohl die Hoffnung, die Chateaubesitzer zu niedrigeren Eröffnungskursen zu bewegen. Aber ob sich die stolzen bordelaiser Chateaubesitzer von so etwas beeindrucken lassen? Wohl kaum!

Ein erstes deutliches Ausrufezeichen setzte mit Pontet Canet einer der Lieblinge der Weinsammler und Kritiker der letzten Jahre. Ganz und gar unbeeindruckt vom allgemeinen Gerede kam es noch vor dem offiziellen Verkostungsstart mit dem identischen Preis des letzten Jahres auf den Markt. Eine meines Erachtens etwas unorthodoxe Strategie.

Es war höchste Zeit, sich selber vor Ort ein (Geschmacks-) Bild des 2013er zu machen. Ist der Jahrgang wirklich so schlecht wie teils geschrieben oder gibt es positive Überraschungen oder überwiegt sogar das Positive? Welche Appellation hat diesmal die Nase vorn?

Ganz klarer Gewinner war diesmal das nördlichere Medoc. Die Herzen von Liebhabern Cabernet-dominierter Weine dürften in diesem Fall wohl höher schlagen. Die Chateaux im Medoc spielten diesen Trumpf teilweise so rigoros aus, dass Chateaux wie z.B. Pichon Comtesse Ihren Grand Vin mit 100% Cabernet Sauvignon ausstatten. Ein Novum! Der Eleganz und Filigranität hat dies keinen Abbruch getan. Die Comtesse gehört für mich eindeutig zu den Gewinnern in 2013. Auch Lynch Bages, der eingangs schon erwähnte Pontet Canet und der etwas „kleinere“ Batailley haben mich voll überzeugt. Homogen waren auch die Weine aus Saint Julien, bei denen für mich einmal mehr Leoville BartonLeoville las Cases aber auch Gruaud Larose herausragten. In Saint Estephe hieß für mich der knappe Gewinner Montrose. Kennzeichen all dieser Weine war eine kühle Textur, frische Mineralik und knackige Tannine. Der Körper war in einer schönen Balance, nichts wirkte grün oder harsch.Das schon mal vorneweg, es gab schöne und sogar sehr schöne Weine. Aber auch Enttäuschungen blieben nicht aus.       

Weiter südlich in Margaux waren die Weine etwas leichter ohne dabei aber oberflächlich zu wirken. Herausgeragt hat dabei einmal mehr Chateau Margaux mit einem Miniertrag von 16hl/ha und einem stattlichen Cabernet Anteil von 99%. Aber auch eine Stufe drunter haben mich Weine wie Rauzan Segla oder Prieure Lichine positiv überrascht.

In Pessac Leognan war für mich Pape Clement der knappe Gewinner, noch vor Haut Brion und La Mission. Auch Domaine de Chevalier und Haut Bailly haben mich restlos überzeugt.

Am Abschlußtag verkosten wir traditionell immer die Weine des rechten Ufers. Aufgrund der eingangs schon erwähnten schwierigen Wetterbedingungen für Merlot hatten es die Weine aus den naturgemäß Merlot-dominierten Regionen Pomerol und St. Emilion natürlich ungleich schwerer als die des Medoc. Wir waren gespannt und schärften unsere Sinne. Viele Winzer retteten sich mit höheren Cabernet Franc-Anteilen, aber auch am rechten Ufer waren schöne Überraschungen keine extreme Seltenheit. In St. Emililon haben uns Canon la GaffeliereFigeac und Beau Sejour Becot geschmeckt. In Pomerol haben uns la Conseillante und Petit Village überzeugt. Aber es war klar erkennbar, dass die Weine dort eindeutig heterogener ausgefallen sind als im Medoc.

Ingesamt war es wieder ein äußerst interessanter Trip nach Bordeaux. Es war wichtiger denn je sich selbst vor Ort ein Urteil zu bilden. Nur so kann ich Ihnen mit gutem Gewissen bestimmte Weine empfehlen.

Sehr gerne berate ich Sie rund um Bodeaux 2013 und freue mich auf Ihre Rückmeldung.  

 

 Ein Blick von Chateau Pichon Longueville Comtesse de Lalande