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Der Jahrgang 2015

Der Jahrgang 2015 in Bordeaux

 

Das übliche Ballyhoo mancher Winzer und Kritiker ist schon fester Bestandteil im Vorfeld unserer Bordeauxreise. Dem Temperaturverlauf des Jahres und den darauf folgenden euphorischen Stimmen von Winzern und Chateauxbesitzern nach zu urteilen, standen die Zeichen wieder auf Topjahrgang, manche unkten schon von einem weiteren Jahrhundertjahrgang wie 2009 oder 2010 oder einem der zumindest nahe heranreicht. Dies steigert natürlich die Neugier, den Jahrgang 2015 endlich selbst verkosten zu dürfen und sich auf diesen Grundlagen ein eigenes Bild davon zu machen.

Schauen wir uns aber erst den Wetterverlauf  in 2015 an:

Allgemein war es von März bis Oktober – mit Ausnahme des Augusts - trockener als im langjährigen Durchschnitt. Die Kälte zu Beginn des Jahres führte zu einem etwas verspäteten Knospenaufbruch. Der Temperaturverlauf bis zur Blüte Anfang Juni mit darauf folgenden leichten Regenfällen war nahezu perfekt. Der Beginn des Sommers von Ende Juni bis Ende Juli war geprägt von einer extremen Trockenheit und Hitze. Bevor der Jahrgang auf ein erneutes Hitzejahr wie 2003 hinauslief, setzte im August lang anhaltender Regen ein.

Von Ende August bis zum 10.September gab es wieder eine Trockenperiode. Diese kam wie gerufen kurz vor der Ernte der weißen Trauben und für die Reife der roten Trauben.

Ein Sturmtief mit heftigen Regenfällen Mitte September kurz vor der Merloternte brachte manchen Winzer noch mal richtig ins Schwitzen. Gerade im nördlichen Medoc wie Saint Estephe waren die Niederschläge ausgeprägter als im südlichen Teil oder in St. Emilion oder Pomerol.

Die Zeit zwischen dem 18. September und 2. Oktober war wieder geprägt von Trockenheit und moderaten Temperaturen. Während der Ernte des Großteils der Rotweintrauben herrschten perfekte Bedingungen. Winzer die die Erntezeit etwas länger hinauszögerten, mussten sich noch mal mit der kniffligen Situation weiterer Regenfälle vom 2. – 5. Oktober auseinandersetzen.

 

Weinfass- Keller von Chateau Mouton-Rothschild

Chateau Mouton-Rothschild

 

1 Tag: Anreise

Trotz knapp 10-stündiger Anreise ist es immer ein Genuß zu erleben, wie der Frühling in Form von gelb blühendem Ginster immer näher kommt, je mehr man sich Richtung Südwesten begibt.

In Bordeaux angekommen gab es gleich die erste Verkostung verschiedenster Cru Bourgeois und Cru Classé aus den verschiedensten Appellationen und damit einen ersten groben Überblick des Jahrgangs 2015. Die fast durchgängig zu spürende Frische am Gaumen ist mir gleich angenehm aufgefallen, die Richtung von 2015 war schon grob vorgegeben.

2. Tag: Tour de Medoc

Am nächsten Tag standen schon den ganzen Tag über verschiedenste Verkostungen an. Los gings wie immer im Medoc. Schon um 9 Uhr hatten wir den ersten Termin auf Leoville Las Cases gefolgt von den anderen beiden Leos aus St. Julien. Von St. Julien aus arbeiteten wir uns peu a peu gen Norden, also nach Pauillac und Saint Estephe vor. Beide Appellationen wurden von den heftigen Regenfällen Mitte September stärker berührt und deswegen  im Vorfeld nicht mit der gleichen Euphorie bedacht wie die südlichen Nachbarn oder das rechte Ufer. Nichts desto trotz sind cabernettypische, noble und komplexe Weine entstanden. Ganz oben an der Spitze stehen für mich Leoville Las Cases, Mouton Rothschild, Lynch Bages, Pichon Comtesse, Ducru Beaucaillou und Margaux. Übrigens der letzte Jahrgang des leider viel zu früh verstorbenen Margaux Machers Paul Pontallier.

Aus Preis-Genuss-Sicht hat mich wieder einmal Grand Puy Lacoste restlos überzeugt. Auch Calon Segur, die weiteren Leos, Beychevelle und Saint Pierre sind weit vorne mit ihrem 2015er. Besonders gefallen haben mir die die dezenten Cassis- und Toastaromen in der Nase, die schöne Frische und Nachhaltigkeit am Gaumen und die moderaten Alkoholwerte, die häufig unter 14°Vol. liegen.

3. Tag: südliches Medoc und Pessac

Nach einer weiteren beeindruckenden Verkostung bedeutender Chateaux der Appellation St. Julien, ging es dann schnurstracks Richtung Süden, wo auf Chateau du Tertre die Verkostung der Weine aus Margaux auf dem Programm stand. Charakteristisch für Margaux sind die Leichtfüßigkeit, feine Balance und Frische. Die Appellation Margaux zeigt sich sehr homogen und geschmeidig, wenn auch nicht ganz so komplex wie St. Julien. Für mich hat St. Julien im Medoc in der Gesamtheit die Nase leicht vorn.

Immer wieder speziell ist auch die Fahrt Richtung Chateau Haut Brion, welches inzwischen inmitten des stetig gewachsenen Vororts Pessac liegt und sich wie eine Bastion eisern gegen den zunehmenden Siedlungsdruck zu behaupten scheint. Tolle Weine sind in jedem Fall auf Haut Brion gelungen, weiß wie rot. Haut Brion und la Mission Haut Brion beeindrucken durch Ihre Komplexität, feine Frucht und schiere Länge im Abgang.

Abgeschlossen wurde der Tag auf Chateau Malartic Lagraviere, wo sich die Chateaux der Stadtappellation Pessac-Leognan zentral versammelten. Traditionell stehen dort auch die Weißweine gleichermaßen im Fokus. Großartig in weiß, wie immer, Domaine de Chevalier. Dem ebenbürtig die Weißen von de Fieuzal und Pape Clement.

Axel Buess bei der Verkostung von Bordeaux 2015 in Chateau AusoneBei den Rotweinen stachen für mich Haut Bailly und Pape Clement hervor.

4. Tag: St. Emilion und Pomerol

In Saint Emilion angekommen durften wir mit Chateau Ausone und Cheval Blanc gleich zwei absolute Höhepunkte hintereinander verkosten. Es waren tolle Eindrücke, Weine dieser Finesse und unglaublichen Tiefe probieren zu können. Dabei hat Ausone ganz leicht die Stirn vor Cheval Blanc. Die weiteren 1er Cru A Kandidaten Pavie und Angelus sind ebenfalls überaus gelungen, können aber nicht an erstere heranreichen. Es sind Geschmackserlebnisse, die ihren Preis haben werden. Aber auch Chateau Canon, Canon la Gaffeliere und Soutard sind äußerst gelungene Repräsentanten ihrer Appellation, die sicherlich günstiger zu haben werden. Neben großartigen Weinen gab es in St. Emilion leider wieder die leichten Übertreibungen in Richtung zu hoher Alkoholgrade, Extraktion und Wucht. Manche Weine zeigten deswegen Anzeichen von eingekochten Früchten, was mir persönlich nicht so behagt. 

In Pomerol endete schließlich unser Verkostungsmarathon. Es sind noch einmal richtig schöne Weine dabei, im Vergleich zu St. Emilion für mich die homogenere Appellation. Beeindruckend fand ich die Leistungen von Chateau Trottanoy, L'Eglise Clinet, Gazin und la Conseillante. Die Weine zeigten eine tolle Länge, angenehme Frische, Komplexität und Balance; alles war stimmig.

Es war ein gelungener Abschluss unserer diesjährigen Primeurverkostung.

 

Fazit und Vergleich:

In der Breite ist 2015 meiner Meinung nach kein absoluter Topjahrgang, aber in der Spitze teilweise schon. Was Weingüter wie Cheval Blanc, Ausone, Trotanoy, Margaux oder Leoville Las Cases ins Fass gezaubert haben und sicher später auch auf die Flasche, ist allererste Güte und war ein großes Erlebnis für den Gaumen.

Die Weine sind körperreicher und konzentrierter als 2014, jedoch nicht so gewaltig und tanninhaltig wie 2010 oder fleischig und fruchtig wie 2009. Der Jahrgang 2015 hat seinen ganz eigenen Charakter.

Die Frage möchte ich trotzdem stellen: muß es denn immer ein Jahrhundertjahrgang sein? Muss denn jeder Jahrgang immer mit 2009 und 2010 verglichen werden, anstatt ihn als eigenständiges und authentisches Produkt der Natur – mit allen Vor- und Nachteilen - zu betrachten?

Auch 2015 wird seinen ganz eigenen Platz in der Bordeauxhierarchie innehaben. Er steht für das, was Bordeaux so faszinierend macht: für Eleganz, Kraft, Komplexität und die Fähigkeit sehr lange zu altern.

Auf meiner Website, die laufend aktualisiert wird, werde ich Ihnen im Verlauf der nächsten Wochen mein Angebot vorstellen. Sollten Sie mal Ihren persönlichen Favoriten vermissen, zögern Sie nicht mich zu kontaktieren. Ich werde alles daransetzen Ihnen Ihr Lieblingschateau zu einem sehr fairen Preis anzubieten. Nun wünsche ich Ihnen viel Spaß beim Stöbern!!

 

Ihr
Axel Buess